Sie sind ja eine Marke!
Arbeitgebermarken - und was Sie damit zu tun haben

von Carmen Hirschbach

Employer Branding ist in aller Munde - nicht der Arbeitgeber sucht sich seinen Mitarbeiter aus, sondern der Mitarbeiter wählt zwischen den besten Arbeitgebern. Nun gilt es, als Arbeitgeber attraktiv zu sein. Doch was hat das alles mit Ihnen zu tun? Ihr Unternehmen läuft gut, die Mitarbeiter sind zufrieden und erzählen dies auch anderen. Perfekt! Denn im Wettbewerb um die besten Köpfe wird dies zukünftig zentrales Auswahlkriterium der Bewerber sein: Wie attraktiv als Arbeitgeber ist das Unternehmen? Lesen Sie und testen sich…


Gibt es einen Fachkräftemangel?

Über den viel beschworenen Fachkräftemangel lässt sich hinlänglich streiten. Bülent Uzuner, Vorstand der BTC AG in Oldenburg/Bremen sagt, es gebe ihn nicht. "Die vergebliche Suche nach Fachleuten ist häufig Folge von Missmanagement." (Weser Kurier, 31.05.2011) Das klingt hart, zumal doch allerorts, insbesondere vom Mittelstand immer wieder eindrücklich belegt wird, dass die Kunden warten müssen, weil die Produktion nicht nachkomme, ja dass Aufträge sogar nicht angenommen werden, will es an notwendiger personeller Ressource fehlt. So würde der Mangel an Fachkräften die Produktivität ganzer Standorte und Branchen gefährden.

Was stimmt ist: Jedes Unternehmen muss sich verstärkt Gedanken darüber machen, wie es an gute neue Mitarbeiter kommt und vor allem: wie es die guten Mitarbeiter bindet.


Wahre Schönheit kommt von innen

Menschen identifizieren sich zunehmend über ihre Profession und weniger über ihren Arbeitgeber (Ingrid Feinstein, GfK Trustmark in change x). Insbesondere junge Fachkräfte sehen kein Problem darin, das Unternehmen zu wechseln, wenn sie das Gefühl haben, woanders besser aufgehoben zu sein. Vorbei ist die Zeit der Jobangst, weil das Wissen um die eigene Attraktivität groß ist. Gute Arbeitgebermarken wissen das - und investieren in die eigene Marke. Und das macht den Unterschied zu anderen, auch guten Arbeitgebern:
Zu wissen, womit man als Arbeitgeber richtig gut ist, was die Mitarbeiter an einem schätzen und dies auch nach außen zu tragen.

In den letzten Jahren haben wir es mit einer Zunahme der "Fühl-Typen" in den Unternehmen zu tun. Das sind keine Mitarbeiter und Führungskräfte, die einfach "Softies" sind, sondern denen am guten Umgang miteinander gelegen ist. Sie wissen: Jeder Mensch braucht Wertschätzung und Rückmeldung für sein Tun. Ein Blick auf die Erwartungen, die junge Fachkräfte an ihr zukünftiges Unternehmen stellen, zeigt, dass alte Anreizsysteme da nicht mehr funktionieren. "Die Jungen" stellen einen partnerschaftlichen Umgang, Transparenz, größere Handlungsspielräume und eine gesunde Work-Life-Balance in den Vordergrund. Vor allem die Beziehung zu der direkten Führungskraft spielt eine entscheidende Rolle und ist damit Kernstück der Mitarbeiterbindung (s. Gallup 2010).

Die Gestaltung dieser Beziehung ist Sache des Unternehmens und der Signale, die aus der Chefetage kommen: Welche Vision und Ziele haben wir, wie wollen wir, dass diese umgesetzt werden, welche Strategien nutzen wir und welche Werte wollen wir leben? Und: Wie steht es um unsere Führungs- und Unternehmenskultur?
Denn: "Menschen kommen zu Unternehmen, aber sie verlassen Vorgesetzte"!
(R. Sprenger 2008 im managermagazin)

Dieser Umgang miteinander und weitere Aspekte der Personal- und Organisationsentwicklung spielen eine Rolle: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Gesundheitsmanagement, Weiterbildungsmaßnahmen, Arbeitszeitflexibilisierung, Kulturereignisse wie Sommerfeste oder auch Altersvorsorge und Mitarbeiterbeteiligung etc. sind Ansätze, mit denen Arbeitgeber attraktiv sind.


So werden Sie eine gute Arbeitgebermarke!

Ob Sie wollen oder nicht: Sie sind ja schon eine Arbeitgebermarke. Das, was Mitarbeiter tagtäglich ganz konkret erleben, ist der Arbeitgeber als Marke. Sie wissen, ob ein Employer Branding nur laut verkündet oder wirklich gelebt wird. Und genau das tragen Mitarbeiter nach außen. Entspricht Ihre Arbeitgebermarke also Ihren Zielen und wird sie Ihnen gerecht?



Die Entwicklung Ihrer Arbeitgebermarke berührt alle Aspekte Ihres Unternehmens und ist ein komplexer Prozess der Organisationsentwicklung:

Analyse - Finden des Besonderen
Erkennen Sie Ihre Eigenschaften als Arbeitgeber. Finden Sie heraus, was besonders ist, was gut, aber auch nicht so gut ist z.B. über Mitarbeiterworkshops, Interviews etc.

Positionierung entwickeln
Filtern Sie heraus, was Sie auszeichnet, positioniert und hervorhebt - worüber also Ihre Mitarbeiter von Ihnen schwärmen

Umsetzung ins Operative
Tragen Sie das Entwickelte ganz bewusst nach innen und nach außen. Z.B. in der Führung, der internen Kommunikation und Ihrer Karrierewebsite, Stellenanzeigen etc.
(Quelle: DEBA, Deutsche Employer Branding Akademie)


Werben Ihre Mitarbeiter für Sie?

Insbesondere dem Mittelstand mit seinen Hidden Champions fehlt es oft an Bekanntheit, was sich oft in der Bewerberzahl zeigt. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter für Sie sprechen. Natürlich tauschen sich Ihre Mitarbeiter beim Sport oder in der Familie über Sie aus. Und weil das so ist, sollten Sie dies auch strategisch als Marketing-Instrument nutzen. Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter bewusst und aktiv in die Suche nach neuen Fachkräften mit ein. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeiter von Ihnen schwärmen. Das macht Sie glaubwürdig, trägt zu Ihrem Image bei und ist die Substanz Ihrer Attraktivität!

Employer Branding basiert auf Ihrer Identität, wirkt intern wie extern und macht Sie zu einem glaubwürdigen und attraktiven Arbeitgeber - nach innen leben, nach außen tragen.

Wenn Sie sich mehr mit dem Thema „Fachkräftesicherung und Arbeitgeberattraktivität“ auseinandersetzen möchten: Checkliste für Arbeitgeber