„Wenn der Funke überspringt“ –
Großgruppen im Unternehmen einsetzen

von Iris Rommel

Hunderte und mehr Mitarbeitende aktiv in die Gestaltung von Veränderungsprozessen mit einzubeziehen war lange für viele Entscheider außerhalb ihres Vorstellungsvermögens. Es gab schlichtweg keine tauglichen Methoden, mit Gruppen, die größer als 30 Personen waren, interaktive und kreative gemeinsame inhaltliche Erarbeitungsprozesse zu gestalten. Mittlerweile verfügen wir auch in Europa über praktikable Großgruppenmethoden (OpenSpace, Future Search, World Café etc.), deren Pionierphase in den USA stattgefunden hatte, und viele interne und externe Changeprofis haben sich die Kompetenzen aufgebaut, Großgruppen als Intervention im Veränderungsprozess einzusetzen.

Auch für uns bei synthese ist die Großgruppe ein spannendes Arbeitsfeld geworden. Dabei ist es unsere Spezialität, mit internen Vorbereitungsgruppen des Kunden sehr pragmatisch ein Großgruppendesign zu entwickeln. Hierbei bedienen wir uns verschiedener Elemente der oben genannten „Klassiker“ und passen diese der aktuellen Kundensituation an.

Wann empfehlen wir Großgruppen einzusetzen?

Wir möchten Ihnen die Einsatzmöglichkeiten von Großgruppen anhand von zwei Fallsituationen verdeutlichen.

Fallsituation 1

  • bei der Vermittlung von einem Kurswechsel im Unternehmen
  • bei der Vermittlung von Unternehmensentscheidungen, die Mitarbeitende direkt und eventuell negativ betreffen

Mittlerweile ist es state of the art geworden, bei umfassenden Restrukturierungen
und Strategiewechseln interne Kommunikationskonzepte begleitend zur Veränderung aufzusetzen. Bei genauerem Hinsehen erschöpft sich dieses Konzept aber häufig in monologischen Informationsveranstaltungen oder – noch schlimmer – in einem Zeitplan zur Versendung von eMails.

Mit interaktiven Großgruppen können mehrere Phasen im Veränderungsprozess gleichzeitig und qualitativ besser bearbeitet werden.
In einer Großgruppenveranstaltung kann das Management Entscheidungen, die Veränderungen für die Mitarbeitenden auslösen, persönlich kommunizieren. Die betroffenen Mitarbeitenden haben Raum, um die Nachricht gemeinsam zu „verdauen“. Das Team oder Projekt, das die operative Umsetzung der Veränderung betreut, kann die vom Unternehmen geplanten Unterstützungsmaßnahmen direkt kommunizieren. Fragen der Mitarbeitenden können sofort identifiziert und beantwortet werden. Ein lösungs- und zukunftsorientierter Abschlussteil richtet auch bei „schlechten Nachrichten“ die mentalen Energien nach vorne.

Fallsituation 2

  • das Unternehmen braucht die Kreativität, die Lösungsenergie und das Commitment von vielen im Unternehmen, um einen Quantensprung zu machen oder um ein kollektives, verkrustetes Problem zu lösen

Bei der aktuellen Dynamik und Komplexität von notwendigen Veränderungen im Unternehmen, die ausgelöst werden durch den Wettbewerb, Verschiebungen im Markt, durch externe Einflussfaktoren, sind die Entwicklungs- und Innovations-Instrumentarien der Vergangenheit oft zu langsam. Der Arbeitskreis, das Expertenprojekt, die Marktforschung, das Kundenbefragungsprojekt – alles lohnenswerte und bewährte Puzzlestücke, die aber isoliert im Unternehmen ihre
Kraft verlieren und als Impuls für Veränderung zu schwach bleiben. Werden aber Erkenntnisse oder Fragestellungen aus wichtigen strategischen Aufgaben in eine Großgruppe zur Diskussion gegeben, entsteht für alle Beteiligten eine klare Landkarte:

  • Was sind unsere schwersten Probleme, unsere Hemmschuhe?
  • Wo sind bereits viel versprechende Potenziale und Lösungsansätze?
  • Wo gehen die kollektiven Energien hin?
  • Was sind konkrete neue Ideen, die vorher noch nicht gedacht worden sind oder im Flurgespräch versickerten?

Die Großgruppe schält holzschnittartig heraus, worauf die Kräfte zu konzentrieren sind. Ein gutes Großgruppendesign führt über die Problemerkenntnis hinaus und weist den Weg zu Lösungen. Dabei kristallisiert sich schon während der Großgruppenarbeit ganz klar heraus, welche Lösungen inspirieren und zünden und welche Ideen ohne Resonanz verhallen.
Anders als bei der Innovationsentwicklung in kleinen Zirkeln muss im Anschluss an eine Großgruppe nicht um Patenschaften für die gute Idee geworben werden. Das persönliche Commitment für die Umsetzung guter Ideen ist dadurch entstanden, dass sich alle TeilnehmerInnen als Mütter und Väter der Impulse fühlen. Sie waren ja mit dabei!

Es sind solche kraftvollen und konstruktiven Effekte, die die Investition in eine Großgruppe unternehmerisch rechtfertigen.

Viele Zielbeschreibungen, die hinter Aktivitäten in der Unternehmenskommunikation, in der Forschung, im Personalmanagement, in Führungskreisen und -konferenzen stehen, können mit einer gut gemachten Großgruppe wesentlich direkter, besser und lustvoller erreicht werden.

Sage es mir, und ich werde es vergessen.
Zeig es mir, und ich werde mich daran erinnern.
Lass mich teilhaben, und ich werde dafür Sorge tragen.
(chinesisches Sprichwort)